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    Frankfurt-Osthafen | KM 37,59
    Wasserstand: 177.00 cm
    am: 20.11.2017 | um: 14:30
    Kein Ruderbetrieb bei einem Wasserstand über 260.00 cm

    Mainwanderfahrt vom 05. bis 08. Juni 2008

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    Am Donnerstag ging es pünktlich von der Borussia nach Wertheim los. Am dortigen Ruderclub bei Flusskilometer 158 wurden dann die Boote, die Kontiki und die Trio, zu Wasser gebracht und die Wandertour startete. Die Fahrt ging an diesem ersten Tag durch ein tief eingekerbtes Tal. Die Dörfer und kleinen Städte schmiegten sich zwischen Fluss und Talwände. Hin und wieder traten Felswände aus Sandstein aus den bewaldeten Talhängen hervor. Auf den Berg­kuppen waren vielfach alte Ritterburgen gebaut. Besonders erfreulich war, dass die Idylle der Fahrt nicht durch eine parallel verlaufende Autostraße gestört wurde.
    Auch das Wetter, das während der vorhergegangenen Tage noch durch Gewitter gekennzeichnet gewesen war, spielte gut mit. Zum Mittag ruhten wir uns dann in Dorfprozelten aus. Dieses eigentlich verschlafene Dorf verfügt offensichtlich über ungeahnte Abgründe. In jedem Fall patrouilliert die Bayrische Polizei dort intensiver als es im Frankfurter Bahnhofsviertel üblich ist. Nachdem wir uns gut beschützt gestärkt hatten, machten wir uns zur Nachmittagsetappe auf.
    Die Fahrt ging wieder wie schon am Morgen durch eine Tallandschaft. Zusätzlich waren jetzt jedoch die Südhänge mit Weinstöcken bepflanzt.
    Bei einer Schleusung in Freudenberg waren wir bereits ins Schleusenbecken eingefahren. Leider mussten wir dieses dann nochmals verlassen um eine zu Tal fahrenden Binnenschiffer vorzulassen. Die hierbei durchgeführte Punkt­wende war besonders für die Kontiki eine ruderische Großtat schließ­lich war das Schleusenbecken nur ca. einen Meter breiter als die Kontiki lang ist.
    Nach einigen weiteren Kilometern erreichen wir Miltenberg. Auf dem Gelände des Miltenberger Ruderclub hinterließen wir unsere Boote Übernacht. Wir selbst waren im Jugendgästehaus Miltenberg untergebracht. Abends unter­nahmen wir noch eine Besichtigung der Stadt Miltenberg. Auch wenn die Hausordnung in unserer kirchlich getragenen Unterkunft streng war, scherte diese andere wirklich jugendliche Gäste nicht soweit, als dass sie von ihrer ad hoc Party bis spät in die Nacht Abstand nahmen.
    Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Frankfurt. Gleich in der ersten Schleuse hatten wir dann ein Erlebnis der besonderen Art. Leider war der Schleusenwärter nicht bereit uns in der großen Schifffahrtsschleuse mitzunehmen. Auf die Bootsschleuse verwiesen, fuhren wir in diese ein. Die Kennzeichnung dieser Schleuse war hierbei unklar. Im Endbereich war ein breiter gelb markierter Bereich, während am Beginn offensichtlich das eigentliche Schleusenbecken war. Dieser Bereich war groß genug um mit beiden Booten einzufahren. Beim Ablassen des Wassers stellten wir dann fest, dass der neutrale Bereich ohne Markierung eine Fischtreppe beinhaltete. Der gelb markierte Bereich dagegen war die eigentliche Schleusenkammer. So verlagerten wir die beiden Boote noch vorne. In diesem eigentlichen Scheusenbecken war der Platz aber m Grunde für beide Boote zu klein. So entstand zuerst einmal beim Schleusenmeister und bei den Bootsmannschaften Panik dass entweder die letzte Stufe der Fischtreppe oder das sich öffnende Schleusentor eines der Boote zerstören könnte. Auch indem die Boote ineinander verschränkt lagen konnte die kürze der Schleusenkammer nicht erreicht werden. Als einzig logische Lösung wäre eigentlich nur möglich gewesen die Boote wieder hoch zu schleusen und die Schleusung ein Boot nach dem Anderen zum machen. Für die Wanderruderer war jedoch ein derartiges nachgeben nach der investierten Mühe wenig zufrieden stellend. Einer hatte die Idee in der Schleusenkammer einen der Ausleger abzumontieren und so noch einige Zentimeter an Kürze zu gewinnen. Kaum formuliert war die Idee auch schon ausgeführt. Die nötigen Zentimeter wurden gewonnen und die Schleusung gelang doch noch.
    Danach hatten einige in den Booten jedoch den Schnaps nötig, den sich Norbert für alle Fälle, insbesondere für solche Fälle, mitgenommen hatte. Das Mittagessen nahmen wir dann in Picknickmanier in Niedernberg ein. Da es dort keine Möglichkeit einzukehren gab, nahmen wir einige Kilometer später die Dienstleistungen eines am Flussufer gelegenen Biergartens in Anspruch. Beim zugegebener Weise schwierigen Wiedereinsteigen gelang es Lilo noch uns einen Spagat-Trick zwischen Ufer und Boot vorzuführen, der unser aller Hochachtung forderte. Lilo forderte der Trick dagegen wirklich alles ab. Nachdem sie die nass gewordenen Kleider gewechselt hatte, durfte sie darum die rest­lichen Kilometer der Tages als Steuerfrau zurücklegen.
    In der Staustufe Obernau gelang der Gruppe dann der Nachweis, dass sie eine Schleusung durch die Bootsschleuse auch mit niedrigen Blutdruck durchführen kann.
    Abends erreichten wir dann den Ruderclub Aschaffenburg. Unser Reisegefährte Marcel stieß zu uns und Uli kehrte von seinem Arbeitstag zurück. Nach dem Abendessen im Ruderclub Aschaffenburg fiel uns die Unzahl von Jugendlichen in Aschaffenburg auf. Als Erklärung machte die Runde, dass diese wegen diverser Abifeiern in der Stadt seien, es erinnerte allerdings eher an einen Punker-Treff mit hohem Alkoholpegel und einigen handgreiflichen Auseinandersetzungen im Schatten des Schlosses.

    Nach einer Nacht im Trainingsraum oder unter freiem Himmel, stachen die Besatzungen der Trio und der Kontiki wieder in See, gestärkt von einem zünftigen Frühstück am Bootshaus, das keine Wünsche offen lies.

    Der Main führte uns noch einmal unter dem Schloß Johannisburg und Pomoe­janum vorbei, wir ließen den Altarm mit Flosshafen hinter uns und reihten uns zum Schleusen in der Staustufe Kleinostheim bei den ganz großen Schiffen ein. Nach den Erlebnissen der Vortage war die Begeisterung groß, dass diesmal alles reibungslos verlief und es wurde dem Schleusenwärter lautstark von beiden Mannschaften gedankt.
    Bei Kilometer 77,3 kehrten wir ins heimatliche Hessen zurück, zumindest mit der Backbord-Hälfte des Bootes, denn die Grenze zwischen Bayern und Hessen verläuft an dieser Stelle genau im Fluss und sollte uns noch für eine Zeit begleiten. Die Grenzfahrt führte uns ohne weitere Zwischenfälle zur früheren Schleuse Welzheim. Heute ein kleiner Sportboothafen mit rund 40 Wasserliegeplätzen, über dem sich das Clubhaus des Wassersportclub Seligenstadt erhebt.
    Am Ufer wartete bereits der Landdienst. Gerade noch zur rechten Zeit, so schien es, denn der strahlend blaue Himmel verdunkelte sich schnell. Aus Süd­östlicher Richtung zogen dunkle Wolken auf und ließen nichts gutes ahnen. Wir suchten Unterschlupf im Gastgarten unter einem mächtigen Nuss­baum und ließen uns von Ulla und der lokalen Gastronomie beköstigen. Doch es sollte noch besser kommen, zum krönenden Abschluss kam hoher Be­such, Klaus Meinhardt und seine Frau und sie hatten Rote und Grüne Grütze im Gepäck, die den perfekten Abschluss des Picknicks bildeten.

    Mittlerweile hatte sich auch das Gewitter aus Südost über unserem Nussbaum zusammengebraut und heftige Blitze gingen in unmittelbarer Nähe herunter, dazu ein Platzregen, der uns auf dem Wasser sicher zum Kentern gebracht hätte. Umso glücklicher fühlten wir uns im Schutz des Clubhauses und genossen bei Café und Grütze das verlängerte Picknick.

    Doch bald schon hellte es wieder auf und wir konnten die Fahrt fortsetzten. Neue Wolken am Horizont ließen nichts gutes erwarten, der Spruch „nach dem Gewitter ist vor dem Gewitter“ machte die Runde und so drängte die Zeit, als wir die zweite Staustufe des Tages bei Krotzenburg erreichten. Der freundliche Schleusenwärter vertröstete uns auf einen Bergfahrer, eine ganze Weile später dann auf einen Talfahrer und die Zeit tatenlos auf dem Wasser dehnte sich endlos. Eine geschlagene Stunde später dann wurden auch wir geschleust und setzten den Weg schweigend fort, genießen die Landschaft und passieren bei km 58 Steinheim mit Schloss und Altstadt, der im Landschaftsschutzgebiet gelegene „Steinheimer Bogen“, ein Altarm des Main.
    Eine Pizzeria war das Ziel des Abends – mit angeschlossenem Bootshaus der Hanauer Rudergesellschaft 1879 e.V. Und wir waren mal wieder nicht alleine gekommen, unser ständiger Begleiter „Jupiter“ – eine dunkelblaue, elegante Motoryacht hatte genau gegenüber angelegt.
    Nach dem italienischen Abend mit Blick über den Main folgte dann der obligatorische „Wanderteil“ unserer Fahrt. Das Kulturbegleitprogramm führte uns zur Kesselstadt mit Schloss Philippsruhe. Das Landteam hatte keine Kosten und Mühen gescheut und bereitete uns vor den Toren des Schlosses ein echtes Feuerwerk und dazu kleine Heissluftballons aus Papier, die in den dunklen Abendhimmel stiegen, sogar für die Statisten war gesorgt, die den Anschein einer Hochzeitsgesellschaft vermittelten, der wir scheinbar zufällig begegnet waren.
    Zur Nachtruhe war dann die Gruppe kräftig zusammengeschrumpft, Robert musste uns leider aus familiären Gründen früher verlassen, seinem Vater wünschen wir gute Besserung, Lilo, Norbert und auch Uli zogen nach den Abenteuern der vergangenen Tage das eigene Bett der Isomatte vor.
    Wir aber hielten die Stellung. Was wir nicht wussten, war, dass Bootshaus und Restaurant in der Nacht abgeschlossen wurden und so fanden die Heimgekehrten am nächsten Morgen eine verschlossene Festung vor, die eingenommen werden musste: Uli gelang es dann über die Feuerleiter. Das Frühstück begann pünktlich um 8:30 – nach italienischer Zeitrechnung, so dass wir um 10:00 dann endlich wieder auf dem Wasser waren.
    Kurz hinter Schloss Philippsruhe befand sich dann die erste Staustufe, die wir – um lange Wartezeiten zu verhindern – via Bootsschleuse bezwungen. Diesmal war der Platz ausreichend für beide Boote. Es ging schnell und so konnten wir die Fahrt, vorbei am Schloss Isenburg ohne weitere Verzögerung fortsetzen – bis es zu einem Bootsschaden kam: die Lehne der Trio hatte sich nun endgültig aus der Verankerung gelöst und lieferte den Beweis: Steuern ist der gefährlichste Job im Boot.
    Auf der Höhe von Offenbach wurden wir Zeuge eines Drachenbootrennens mit Tribüne und großem Tamtam. Angespornt von den Trommelschlägen legten auch wir in der Schlagzahl etwas zu und hatten so ganz nebenbei die letzte Etappe bezwungen. Noch einmal Schleusen, diesmal mit zwei Talfahrern und wir waren zurück in heimischen Gewässern, wo uns Ulla im Einer auf dem Wasser begrüßte.
    Die Heimkehr der glücklichen Ruderer wurde dann standesgemäß mit einem Borussia-Teller gefeiert, noch einmal Spargel zum Ende der Saison.
    Eine wirklich wunderbare Tour.
    Teilnehmer: Ulrike von Nathusius, Norbert Spieß, Walter Müller, Robert Daub, Ulla u. Uli Richter, Georg Bayer, Marcel Kolvenbach, Lilo Hartje, Anette Ludwig

    Von Georg Bayer und Marcel Kolvenbach

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